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Zukunft

Gemeinsam statt einsam

12.10.2021

Das Neue braucht das Kollaborative und die Kooperation.

Kollaboration ist laut Wikipedia die ideelle Zusammenarbeit zwischen Personen oder Gruppen von Personen. Ursprünglich war damit auch die Zusammenarbeit mit dem Feind gemeint. Darf man das neuzeitlich interpretieren, könnte mit Feind das Fremde, Unbekannte, bzw. das vermeintlich Gegensätzliche gemeint sein. Das „Fremde“ als Booster für das Neue. Kollaboratives Arbeiten bedingt jedoch nicht nur die Zusammenarbeit verschiedener Gruppen an einem gemeinsamen Projekt bzw. einer gemeinsamen zu lösenden Aufgabe. Es erfordert auch eine neue Kommunikationskultur, bei der alle beteiligten Personen in einer mehr oder weniger vereinbarten Form kommunizieren. Diese Kultur erfordert Akzeptanz, Offenheit und Zurücknahme des Egos. Es bedeutet zuhören, nicht um zu antworten, sondern um zu verstehen. 

Prof. Peter Kruse († 2015), Psychologe, Netzwerkforscher und Visionär, hat die Grundvoraussetzung für eine gute Kollaboration festgemacht: Unser Gehirn und seine drei maßgeblichen Akteure: 1. der Owner, der Spezialist mit tiefem Fachwissen; 2. der Creator, der Kreative, der viele lose Ideen einbringt, und 3. der Broker, ein Typus, der weiß, wer es wissen könnte. Kruse geht davon aus, dass etwa ein Brainstorming mit ausschließlich Spezialisten generell zu keinen neuen Ideen führen wird, weil Spezialisten in der Regel nur nach innen denken. Dasselbe Meeting nur mit Kreativen wird eher ins Uferlose münden. Und nur Broker alleine wissen nicht, was sie eigentlich suchen sollen. Ergo: Es macht – wie in unserem Gehirn – die Mischung aus Spezialwissen, Kreativität und die Fähigkeit, andere miteinzubeziehen, aus, um Ideen erfolgreich in Gang zu bringen. 

Interessanterweise findet man in letzter Zeit vermehrt Meldungen, dass das Spezialistentum an Grenzen stößt und dass Generalisten mehr Erfolge verzeichnen könnten, weil sich vielerorts Sackgassen auftun und andere Sichtweisen auf die Welt gefragt sind. Dazu kommt, dass sich viele Führungskräfte auf Fachwissen konzentrieren. Wenn sie merken, dass sie Unterstützung brauchen, holen sie sich wiederum vorwiegend Fachexperten, anstatt auch Kreative einzubeziehen und bei Problemlösungen einen Blick über den fachspezifischen Tellerrand zu wagen. Sich offen und ehrlich auf ein fachfernes Gebiet rational und besonders emotional einzulassen und das nicht nur für einen Nachmittag, mag vielleicht alles andere als einfach sein, aber es lohnt sich, wie viele Top-Unternehmen beweisen. 


Kreativ sein bedeutet, lustvoll zu probieren 

Kreativität ist eine sehr junge Disziplin und per se eine Möglichkeitswissenschaft. Sie befasst sich mit den Strukturen, in denen Ideen besser entstehen können. Das Problem: Wenn wir über die Qualitäten von Möglichkeiten reden, ist das den Spezialisten zu unkonkret. Die Sache aber ist die: Zu Beginn können Möglichkeiten quasi qua definitionem gar nicht konkret sein. Gute Kreative sind somit Spezialisten der Ungewissheit und ihre zentrale Frage ist: Wie geht Gewohntes anders? Das macht Spezialisten in Unternehmen nervös, denn die sind es gewohnt, dass Zahlen und Fakten ihre Welt bestimmen.


Das Paradoxon in den Unternehmen 

Der wichtigste Faktor für Kreativität ist Offenheit. Kreative Menschen wagen den Sprung ins Unbekannte, statt in ihren eigenen Komfortzonen zu verharren. So war sich Kruse sicher, dass die mit der Digitalisierung verbundenen hochkomplexen Herausforderungen nicht auf der gleichen Ebene gelöst werden können, auf der die Probleme auftauchen – sprich auf fachspezifischer Ebene. Die wirtschaftliche Revolution ist nicht mit Funktionsoptimierung zu bewerkstelligen, sondern braucht einen Prozessmusterwechsel. Es braucht den ernsthaften Willen, endlich wirklich etwas Neues zu machen, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren. 

Es braucht folglich Einsicht und eine neue kollaborative Kultur zwischen den alten und den neuen kreativen Industrien. Wir können es uns auch nicht mehr leisten, zwischen den rationalen Entscheidungsträgern und den kreativen Verrückten zu unterscheiden, sondern müssen diese Gewaltentrennung überbrücken und auflösen. Denn die Transformation, die heute passiert, erfasst Menschen, Unternehmen und Prozesse auf allen Ebenen. Und egal ob wir sie bewusst erleben oder nicht, sie lässt sich nicht aufhalten.

Text: Tom Jank, kreativland.tirol
Aus: eco.nova Nr. 10 / Oktober 2021

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