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Zukunft

Wir müssen umdenken

30.5.2022

ECO.NOVA : Wie lassen sich Impact und Wirtschaftlichkeit vereinbaren?

MATTHIAS MONREAL: Meiner Meinung nach ist es ein Trugschluss, wenn Impact und Wirtschaftlichkeit als Gegensatzpaar dargestellt werden. Darüber sollten wir schon längst hinausgewachsen sein. Was nützt uns wirtschaftliches Wachstum, wenn wir uns gegen die Wand fahren? Impact und Wirtschaftlichkeit müssen gemeinsam gedacht werden. Profitmaximierung und Shareholder Value allein können nicht mehr das oberste Ziel im Unternehmer*innentum sein. Positiver Impact zu einer nachhaltigen Gestaltung unserer Welt muss immer ein primäres Ziel sein. Dann können Wirtschaftlichkeit, Profit, Wachstum und Effizienz zur Erreichung des übergeordneten Ziels einer nachhaltigen Zukunft eingesetzt werden.

Sie erteilen also dem reinen Profitdenken eine Absage?

Wirtschaftlichkeit und Profit zum Selbstzweck sind sehr kurzsichtige Ziele. Man muss sich fragen: Wofür ist unser Wirtschaftstreiben gut? Wie sieht Erfolg aus? Ich denke, es sollte lauten, für jetzige und künftige Generationen eine gute Welt zu schaffen, in der das Wohlergehen aller, Gesundheit und Gerechtigkeit die obersten Ziele sind, die es zu erreichen gilt. Ich sehe das als den wahren Zweck von Wirtschaft, den wir aus den Augen verloren haben. Corona hat uns gezeigt, wie interdependent und absolut vernetzt wir sind. In einer globalen Welt sind die Zeiten von Nullsummenspielen, bei denen es Gewinner*innen und Verlierer*innen gibt, vorbei. Wir sind alle im gleichen Team. Der Weg zu einer nachhaltigen Welt kann nur über Win-win-Situationen für alle gehen. An die Stelle von Konkurrenzdenken gehört Kollaboration. Das erfordert ein völlig neues Selbstverständnis, nämlich eines, bei dem wir alle gemeinsam am gleichen Ziel arbeiten: einer guten Welt. Es muss undenkbar werden, dass ein Unternehmen keinen positiven Impact leistet.

Ist das realistisch?

Auch diese oft gestellte Frage ist meiner Meinung nach fehlgeleitet. Sie muss lauten: Ist es realistisch, so weiter zu tun wie bisher und zu glauben, dass wir damit langfristig überleben? Ob eine nachhaltige Zukunft möglich ist, liegt an uns. David Graeber sagt: “The ultimate, hidden truth of the world is, that it is something we make and could just as easily make differently.” Um eine tatsächlich nachhaltige Welt zu schaffen, muss es einen tiefen Bewusstseinswandel, ja eine Bewusstseinsentwicklung geben. Wir brauchen eine kritische Masse an Leader*innen, vor allem in Unternehmen – wo ja maßgeblich die Welt geschaffen wird –, die psychologisch, moralisch, spirituell von der nächsten Ebene auf die Welt blicken. Wir brauchen ein weiterentwickeltes Denken, das mit Komplexität, Unsicherheit und multiplen Perspektiven umgehen kann, und eine weiterentwickelte Moral, die das Wohlergehen aller – Mensch und Planet – einschließt. Deswegen liegt der größte Hebel zur Nachhaltigkeit in der Persönlichkeitsentwicklung der Leader*innen von morgen.

Wenn man sich das Weltmarktgeschehen ansieht, erkennen Sie schon Schritte in die richtige Richtung?

Auf jeden Fall.Ich glaube, es gibt ein Umdenken, sowohl von der Konsument*innenseite als auch von den Big Playern, nur sind diese großen Unternehmen in ihren Strukturen nicht so flexibel. Wir sehen einen Trend zu mehr Nachhaltigkeitsbewusstsein, vor allem in den Neugründungen. Es gibt immer mehr Gründer*innen, die einen positiven Beitrag in die Welt bringen möchten, und glücklicherweise kaum mehr Gründungen, deren alleiniges Ziel Profit und Geld verdienen ist. Diesen Wandel begleiten und initiieren wir sehr stark in unseren Programmen. Keine Gründer*in kann da durch, ohne diese tiefen Fragen nach dem Warum ihres Tuns und der Verbindung zum großen Ganzen zumindest einmal reflektiert zu haben.

Können diese Startups denn einen nachhaltigen und globalen Effekt erzielen?

Man muss das Ganze ein wenig weiterdenken. Da gibt es zum einen den direkten Impact, den ein Unternehmen mit seinem Produkt oder Angebot leistet, und den indirekten Impact, oder das, was die Welt verändert. Fairphone, ein Startup aus Amsterdam, hat zum Beispiel mit einem nachhaltig produzierten, reparierbaren Handy eine Diskussion angestoßen, auf die nun auch die Big Player wie Apple oder Samsung aufmerksam geworden sind. Eine ähnliche Strategie verfolgt Liimmi (www.liimmi.com), eine Tiroler Gründung, die mit multifunktionalen Babyprodukten Produktdesign an sich neu denkt. Da ist Upcycling, also ein Wechsel in der Funktion, gleich von Anfang an mitgedacht.

Wie begleiten Sie Tiroler Startups?

Wir treiben Startup-Entrepreneurship voran und entfachen so positiven Wandel in der Welt. Das ist unsere Vision bei Startup.Tirol. Je nachdem, in welchem Entwicklungsgrad sich das Startup gerade befindet, kommen in Tirol verschiedene Programme zum Tragen: Das INNC-Programm für die ersten Schritte bei der Umsetzung einer Idee, das BOOSTER-Programm für den Markteintritt und das Growth-Camp für Wachstum. Unser Fokus liegt dabei darauf, bereits in der Gründungsphase dieGesinnung für eine nachhaltige Zukunft zu manifestieren.

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