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Life

Voll Anmut und Schönheit

19.1.2023

Seit 25 Jahren baut Norbert Maier Harfen. Dass er damit angefangen hat, war ein Zufall. „In meiner Jugend habe ich Gitarre gespielt“, erzählt er. „Später, als wir beim Hausbauen waren, habe ich mich an der Hand verletzt und konnte das nicht mehr. Da habe ich nach einer Alternative gesucht. Zufällig habe ich ein Mädchen kennengelernt, das mir etwas auf der Harfe vorgespielt hat. Ich habe in der Musikschule in Innsbruck angerufen und ein Monat später schon mit dem Unterricht angefangen.“ Das ist rund 30 Jahre her. Das Instrument hat Maier nicht mehr losgelassen, so sehr, dass er mit den Harfen, die es zu kaufen gab, bald nicht mehr zufrieden war: „Ich wollte etwas Eigenes haben und habe begonnen, Museumsinstrumente nachzubauen.“ 1997 hatte er schließlich die offizielle Gewerbeberechtigung bekommen.

Norbert Maiers Harfen unterscheiden sich optisch doch sehr von gewöhnlichen Modellen. Er hat sich bewusst dafür entschieden, keine klassischen Tiroler Volksharfen zu bauen. Seine Harfen sind in der Regel Auftragsarbeiten, wunderbar verziert mit handwerklichen Schnitzereien, die heute großteils sein Sohn fertigt. Ein paar Wochen brauche es, bis ein Instrument fertig ist. „Es ist nicht so, dass ich ständig dran sein muss. Wenn ich das Holz zuschneide und die Teile zusammenleime, muss ich sie immer ein bisschen stehen lassen, damit alles trocknet und aushärtet. Wenn ich dann die Saiten aufziehe, müssen sie immer wieder nachgestimmt werden, bis das Holz nicht mehr nachgibt. Erst wenn das passt und die Stimmung ruhig ist, kann ich die Mechaniken anbringen.“ Die technischen Teile kauft Norbert Maier zu, sie selbst herzustellen, wäre viel zu aufwändig und teuer, doch auch das Zusammensetzen ist eine wahre Wissenschaft. Wie es jedes Teil der Harfe ist. Mit viel Akribie, Geduld und Wissen um Material, Handwerk und Mechanik entstanden je nach Größe zirka 15 Harfen im Jahr – „früher, als ich noch kräftiger war. Heute lass ich mir ein bisschen mehr Zeit und mach dafür ganz besondere Stücke.“ Wie ein etwas kleineres rotes Modell. Das wurde einem Bild des Malers Hieronymus Bosch nachempfunden, das dieser um 1500 fertigte, also der Zeit des Kaisers Maximilian. Als 2019 das Maximilianjahr in Tirol begangen wurde, war auch Maiers originalgetreue Harfe mit dabei.

Die meisten Kunden von Norbert Maier indes kommen gar nicht aus Tirol. Hauptsächlich sind sie aus dem Osten Österreichs, Bayern, Holland … oder Schottland. Was daran liegt, dass seine Frau und er früher regelmäßig zum Harfenfestival nach Schottland fuhren, um dort eine Woche lang Konzerte zu genießen, aber auch ihre Harfen auszustellen. Und die sind dort derart einzigartig, dass der Kundenkreis groß ist. „Generell baue ich zwei Drittel meiner Harfen für Kinder, die in der Musikschule anfangen. Auch für meine Enkelin habe ich eine eigene Harfe gemacht. Das restliche Drittel sind private Kundschaften, die ein neues Hobby anfangen möchten, oder Berufsmusiker, die die Instrumente auf der Bühne brauchen. Hauptsächlich sind das Musiker, die mittelalterliche Musik spielen und die passende Harfe für einen authentischen Auftritt als Minnesänger brauchen.“ Gebaut werden die Harfen aus Instrumentenbauhölzern wie Ahorn, Kirsche, Birnenholz, Ulme oder Fichte. Letztlich geht es darum, „dass der Musikinstrumentenbauer alles daran setzt, einen schönen Klang herzubringen.“

Jeder ist musikalisch

Dass es gänzlich unmusikalische Menschen gibt, glaubt Norbert Maier übrigens nicht: „Kein Mensch ist völlig unmusikalisch. Jeder, der einen Herzschlag hat, hat eine Rhythmus in sich.“ Harfe zu spielen, ist für Maier auch einfacher als Geige oder Trompete: „Bei der Harfe brauche ich den Ton nicht zu formen. Der ist schon da. Der ist, wie er ist, da kann man nicht mehr viel machen. Alles, was man lernen muss, ist die richtige Fingerhaltung und die Kunst des Zupfens. Das ist sogar leichter als bei der Gitarre. Bei der Harfe ist alles fix und fertig da.“

Deshalb ist es wichtig, dass man beim Bauen einer Harfe umso sorgfältiger, genauer und umsichtiger vorgeht. Bei der Reparatur gilt das vermutlich sogar noch ein Stück mehr. „Das ist eine Lieblingsbeschäftigung von mir“, sagt Maier. Immer wieder kommen Leute zu ihm, die zum Beispiel am Dachboden eine alte Harfe finden. Kaum jemand repariert die mehr. Norbert Maier schon. „Ich bin mittlerweile bekannt dafür, alte Harfen wieder spielbar zu machen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten und die Leute sind froh, dass jemand ihr altes Erbstück wieder auf Vordermann bringt. Oft sind es auch emotionale Werte, die man damit verbindet.“

Das Wesen der Harfe hat sich seit ihren Anfängen bis heute im Übrigen kaum verändert. Größer sind sie geworden, robuster. Und technischer. „Im Grunde hat sich seit dem Mittelalter nur die Größe verändert, denkt man zurück an die Harfen der Minnesänger, die sie auf ihren Reisen dabei hatten, um damit am Hof Musik zu machen. Im Laufe der Zeit ist die Harfe immer größer geworden, weil die Musik anspruchsvoller geworden ist“, erklärt Maier. Mit der Zeit brauchte es mehr als die anfänglichen zwölf bis 20 Saiten, es kamen Tonartenumschaltungen dazu, dann Pedale dafür. Es gibt sie noch, die kleinen, sanften Harfen, deren Musik fast intim klingt, moderne Harfen jedoch müssen in einem Orchester mit- und anderen Instrumenten standhalten können. Das braucht unter anderem stärkere Saiten und eine starke Spannung. „So eine Orchesterharfe kann schon mal bis zu 40 Kilo wiegen, Tiroler Volksharfen wiegen immer noch rund 17 Kilo“, so Maier. Imposante Instrumente. Und doch so elegant.

Text: Marina Bernardi
Fotos: Andreas Friedle
Aus: Dahoam – Winter 2022/23

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